Edelmetalle

Platinmetallhaltige Goldlegierung in der Zahntechnik

Hier erhalten Sie Informationen über platinmetallhaltige Goldlegierungen in der Zahntechnik.

— Mechanische Eigenschaften, und Verhalten dieser Legierungen im Munde.

— Bedeutung der platinmetallhaltigen Goldlegierungen für die Zahntechnik.

Wer als Patient mit Zahnersatz zu tun hat, weiß oder wird darüber belehrt, dass das beste Material, das verarbeitet werden kann, Gold ist. Dies gilt für kleine Arbeiten wie Kronen oder Brücken ebenso wie für Platten. Als Patient gibt man sich in der Regel mit der allgemeinen Werkstoffangabe „Gold" zufrieden. Es ist dem Laien zwar bekannt, dass das Metall, aus dem der Zahnersatz gemacht werden soll, kein reines hundertprozentiges Gold ist, aber bei den meisten geht der Wunsch, Einzelheiten zu erfahren, nur so weit, dass er nach dem Goldgehalt, der Karatzahl, fragt. Kaum ein Patient jedoch will wissen, welche anderen Metalle in der Legierung enthalten sind. Dies ist aber keineswegs unwesentlich. In der richtigen Auswahl der Legierungsmetalle zeigt sich die Erfahrung der Legieranstalt, die das Dental-Gold fabriziert. Von der Art und Menge der Legierungsmetalle hängen die mechanischen und chemischen Eigenschaften des Werkstoffes ab. Ein kleiner Ausschnitt aus diesem Fragenkomplex, der von dem Einfluss der Platinmetalle handelt, wird im folgenden besprochen.

Die Prothetik hat ursprünglich mit Legierungen gearbeitet, die neben Gold ausschliesslich Silber und Kupfer enthielten. Der Standardwerkstoff vieler Jahrzehnte war das 20karätige Gold. Es besteht aus 83,3 Prozent Au und z. B. 12 Proz. Ag und 4,7 Proz. Cu. Seit rund 25 Jahren hat sich das Bild gewandelt; die moderne Prothetik verwendet in steigendem Masse Legierungen, die neben Gold, Silber und Kupfer auch noch Platin, Palladium, Zink, gegebenenfalls Zinn und Nickel enthalten. Wie vollzog sich diese Entwicklung und warum werden diese Legierungen vorgezogen?

So entstand Platin-Gold

Um das Jahr 1900 war das Platin billiger als das Gold. Damals hat man versucht, die Kosten für das Dental-Gold dadurch zu senken, dass man einen kleinen Teil des Goldes durch Platin ersetzte. So entstanden die ersten Platingolde. Sie wurden rasch beliebt, offenbar wegen ihrer hervorragenden Eigenschaften. Denn als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Platinpreis über den des Goldes stieg, hat man die Platingolde nicht etwa aus dem Materialschatz der Zahnheilkunde gestrichen, sondern weiterverwendet. In einem Prospekt einer Firma aus Pforzheim, das aus den Jahren 1905 —1910 stammt, wurden gleich drei Platingold-Legierungen für Dentalzwecke aufgeführt. Sie waren als ISkarätiges Klammergold mit 5, bzw. 10, bzw. 15 Prozent Platin bezeichnet. Bei der Zusammenstellung derartiger Legierungen ging man von den bekannten 18karätigen Golden aus; in ihnen ersetzte man einen Teil des Goldes durch Platin. Streng genommen sind diese Legierungen also nicht mehr 18karätig. Sie dürften nicht als solche gestempelt (punziert) werden. Trotz des verringerten Goldgehaltes erwiesen sich die genannten Platingolde aber als mindestens ebenso edel und widerstandsfähig gegen Korrosion und Auflösung wie die üblichen ISkarätigen Gold-Silber-Kupfer-Legierungen. Diese Beständigkeit gegen chemische Einflüsse ist auf den Platingehalt zurückzuführen; das Platin ist ein vollwertiger Ersatz des Goldes. Ja, die Anlaufbeständigkeit des Platingoldes im Munde ist sogar eindeutig grösser als die eines platinfreien Goldes.Dieser mehr auf dem kosmetischen Gebiet liegende Vorteil war es aber nicht, der die Fadileute veranlasste, beim Platingold auch dann zu bleiben, als es teurer und immer teurer wurde. Es waren vielmehr die aussergewöhnlichen mechanischen und elastischen Eigenschaften der Platingolde. Man sieht, dass der Platinzusatz die  Legierung härter und zerreissfester macht und dass er die Streckgrenze steigert. Im Elastizitätsmodul und in der Dauerbiegezahl' sind die Unterschiede zwischen den beiden Werkstoffgruppen nicht sehr gross.

Herstellung durch Platinmetallen: Gussgold, Kronengold, Klammergold, Goldlot

So rundet sich das Bild: alle goldhaltigen Werkstoffe für die Zahntechnik, einerlei ob es sich um Gussgold, Kronengold, Klammergold oder Goldlot handelt, werden  heute auch mit Platinmetallen legiert hergestellt. Die  Vorteile  eines solchen Platinzusatzes sind beträchtlich; ihm verdanken wir die harten, federnden Drähte, die anlaufbeständigen, feinkörnigen Gusslegierungen und die unauffälligen, zuverlässigen Lotnähte. Der Fortschritt, den die Platingolde gebracht haben, kommt in erster Linie dem Patienten zugute, der eine sehr genau passende, mechanisch festere und chemisch beständigere, edlere Prothese erhält. Aber auch der Verarbeiter hat einen Vorteil; seine Tätigkeit wird einfacher, weniger mühsam, und ein guter Erfolg ist ihm sicher, wenn er Platingold verwendet. So wird es verständlich, dass die moderne Zahnheilkunde ohne Platingold-Legierungen nicht mehr denkbar ist.