Der Weißabgleich bei der Digitalkamera

Voraussetzung für Farbneutralität der gespeicherten Bilddaten ist der so genannte Weißabgleich an der Kamera. Denn Farbstiche bei digitalen Bildern lassen sich, entgegen einer weit verbreiteten Meinung nachher nicht einfach am Computer korrigieren.

Der Durchbruch der digitalen Fotografie hat besonders im professionellen Bereich viele Streitpunkte entfacht. Die Kette der Weiterbearbeitung beim gedruckten Bild geht vom Fotografen über die Lithografen zur Druckerei.

Früher war es für Fotografen einfacher sie erstellten ein hochwertiges Farbdia als Referenz.

Dieses Bild konnte durch visuelle Betrachtung am Leuchttisch mit der Lupe hinsichtlich Schärfe und Farbtreue kontrolliert werden. Streitigkeiten konnte der Fotograf elegant aus dem Weg gehen, da er als Referenz jederzeit auf das vorliegende Farbdia verweisen konnte. Für das Endergebnis war der Lithograf beziehungsweise der Drucker verantwortlich. Durch die Digitalfotografie haben sich die Verantwortlichkeiten erweitert. Auch der Fotograf wird nun mit in die Pflicht gerufen.

Die Kontrolle der Bilddaten kann nur über die Bildschirmbetrachtung beziehungsweise den Probeausdruck von so genannten ,, Proofs" erfolgen, die aber eine exakte Kalibrierung aller Komponenten (Monitore, Drucker etc.) voraussetzen. Betrachten Sie einmal dasselbe digitale Bild auf verschiedenen Monitoren (zum Beispiel im Bekanntenkreis) und drucken Sie dieses Bild nach Möglichkeit auch auf verschiedenen Druckern aus. Sie werden staunen, wie viel verschiedene Varianten Sie erhalten werden.

Aus diesem Grunde ist es von größter Wichtigkeit, dass die Fotografien, die als “Bilddaten" abgespeichert sind, absolut farbneutral vorliegen. Dies kann nur der Fall sein, wenn an der Digitalkamera ein korrekter Weißabgleich durchgeführt wurde. Was ist eigentlich ein Weißabgleich? Der Weißabgleich ist die Korrektur der Farbverschiebung eines nicht normgerechten Aufnahmelichtes bei der Erstellung einer Fotografie.

Unser weißes Tageslicht setzt sich aus den drei Additiven Grundfarben Rot, Grün und Blau (man spricht deshalb auch von dem RGB Farbmodell) zu jeweils 33,3 Prozent zusammen. Man spricht deshalb von Additiven Farben, da sich das entstehende Licht aus der Addition {quasi dem Zusammenmischen beziehungsweise der iar Überlagerung) der drei Lichtfarben ergibt. Da wir dieses natürliche Licht aber nicht immer in ausreichendem Maße zur Verfügung haben, muss in der Fotografie auf standardisierte Lichtquellen zurückgegriffen werden. Dies sind in aller Regel das Blitzlicht, Halogenlampen, Tageslicht- Leuchtstofflampen und in letzter Zeit die weißen LED Ringleuchten. Jetzt setzt sich aber das Licht, welches diese Leuchten emittieren, nicht immer zu gleichen Teilen aus dem roten, dem grünen und dem blauen Licht zusammen. Für die visuelle Betrachtung spielt das auch keine allzu große Rolle, da durch die Farbadaption unseres Gehirns geringe Farbverschiebungen nicht oder nur unmerklich erkannt werden. Der CCD- Chip unserer Kamera beziehungsweise der Farbfilm besitzt diese Korrekturmöglichkeit aber nicht, sodass wir zum Beispiel bei Halogenlicht einen Orangestich und selbst bei Tageslicht-Leuchtstofflampen einen Grünstich erhalten.

In unserem Beispiel merkt die Kamera, dass sich das gemessene Licht nicht zu jeweils 33,3 Prozent aus rotem, grünem und blauem Licht zusammensetzt. Deshalb bewertet die Kamera die grün empfindlichen Sensoren des CCD- Chips softwaremäßig um so viele Prozentpunkte weniger, damit als Messergebnis wieder Licht mit jeweils 33,3 Prozent rotem, grünem und blauem Anteil gemessen wird (Anm.: Die CCD- Chips der Digitalkameras sind auf rotes, grünes und blaues Licht sensibilisiert.. Den Korrekturwert der prozentualen Abschwächung der grünempfindlichen CCD Sensoren speichert sich die Kamera. Bei allen folgenden Aufnahmen wird dieser Korrekturwert zur Bilddatenerfassung herangezogen, bis zum Beispiel bei der Änderung der Lichtquelle) ein erneuter Weißabgleich stattfindet. In unserer Überlegung werden die Messwerte der grünempfindlichen Sensoren des CCD- Chips mit den abgespeicherten Daten korrigiert, Das Ergebnis ist eine farbneutrale Fotografie.

Merke: Werden weiße, graue oder schwarze Objekte mit Licht angestrahlt, remittieren sie dieses Licht in genau der gleichen prozentualen Zusammensetzung der drei Grundfarben (Rot, Grün und Blau), mit welchem sie angestrahlt werden. Deshalb sind Weiß, Grau und Schwarz absolut farbneutral und per Definition keine Farben.

Tipp Normalerweise wird der Weißabgleich mittels eines weißen Blattes Papier empfohlen. Ich persönlich habe die Feststellung gemacht, dass weißes Papier extrem unterschiedlich weiß ist. Vergleichen Sie einmal weißes Papier oder auch weiße Fotokartons miteinander. Sie werden teilweise erhebliche Unterschiede feststellen. Deshalb verwende ich zum Weißabgleich in aller Regeleine Graukarte (Bezug über das Fotofachgeschäft), wie sie zur Belichtungsmessung herangezogen wird. Diese genormten Graukarten sind meines Erachtens wesentlich exakter im Ergebnis, da sie absolut farbneutral sind.