Fluoridierung

Als Fluorid-Anion gelöst kommt Fluor praktisch überall in Süßwasser, Meerwasser, im Boden, in Lebensmitteln (Schwarztee, Fisch, Kräuter) sowie in verschiedenen Körperflüssigkeiten und Geweben von Menschen, Tieren und Pflanzen vor.

Der Zusammenhang zwischen Fluorid und gesunden Zähnen ist seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts bekannt, als stark erhöhte natürliche Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser in einigen Gebieten der USA als Ursache für Zahnschmelz-Verfärbungen festgestellt wurde. Gleichzeitig zeigte sich ein auffallend niedrigerer Kariesbefall in den betroffenen Regionen. Voraussetzung für eine optimale Kariesprophylaxe sind ein ausreichendes Fluoridangebot in der Phase vor der Schmelzbildung und -reifung sowie in der Phase danach, da der reife Schmelz gegenüber Säureattacken besonders gefährdet ist, dafür aber auch verstärkt Fluorid aufnimmt. Dabei spielen sich die entscheidenden kariesschützenden Mechanismen auf jedem Fall an der Oberfläche des Zahnes ab. Mit der, in unseren Breiten üblichen, Ernährung nehmen Erwachsene täglich etwa 0,4-0,6 mg Fluorid zu sich. Für einen optimalen Kariesschutz wird ab dem 6. Lebensmonat, also ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns, eine zusätzliche Fluoridzufuhr empfohlen.

Das Putzen der Zähne mit fluoridhältigen Zahnpasten ist heute der am meisten verbreitete Weg der Fluoridierung. Gängige Kinderzahnpasten enthalten zwischen 250 und 500 ppm (parts per million) Fluorid. Die Anwendung von Fluorzahnpasta ist ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes bis zum zweiten Geburtstag nur einmal täglich empfehlenswert, anschließend zweimal täglich bis zum Schuleintritt. Gerade Kleinkinder neigen dazu, die Zahnpasta zu verschlucken, daher sollten nur kleine Mengen verwendet werden. Daher sollte auf Pasten mit den verschiedenen Geschmacksrichtungen verzichtet werden, weil diese die Schluckwahrscheinlichkeit weiter erhöhen. Ab Schulbeginn sollten Kinder ihre Zähne mit fluoridierter Zahnpaste für Erwachsene putzen.

Der Einsatz von höher dosierten Maßnahmen in Form von Mundspülungen, Lacken oder Gelees beschränkt sich auf Gruppen, die zu angemessenem Zähneputzen nicht befähigt sind, sowie auf Personen mit erhöhtem Kariesrisiko und sollte nur in Absprache mit Ihrem Zahnarzt erfolgen, um eine Überdosierung zu vermeiden. Es sollte auch der Fluoridgehalt des vorhandenen Trinkwassers in die Entscheidung mit einbezogen werden.

Auch beim Einsatz systemischer Fluoridierungsmaßnahmen (Trinkwasser, Speisesalz, Fluorid in Tablettenform) spielen lokale Effekte und vor allem die Anreicherung von resorbierten Fluoriden im Speichel eine Rolle.

Eine Maßnahme zur Fluoridbasierten Kariesprophylaxe auf Populationsebene ist die Fluoridierung von Speisesalz. In der Schweiz wurden erste Ansätze bereits in den 50er Jahren begonnen. Heute enthält fluoridiertes Speisesalz in der Schweiz standardmäßig 250mg F -/kg, der Marktanteil dieser Salze liegt im Haushaltsbereich seit Jahrzehnten bei 80-85 %. In etlichen anderen europäischen Ländern wird fluoridiertes Speisesalz (meist in Verbindung mit Jod) ebenfalls angeboten, ein relevanter Marktanteil ist allerdings nur in Deutschland (ca. 50 %) und Frankreich (40-50 %) gegeben. In Österreich liegt der Marktanteil derzeit unter 5 %.

Egal für welche Methode Sie sich entscheiden, es sollte immer auf eine ausreichende Fluoridzufuhr geachtet werden um den Zähnen einen angemessenen Schutz zu bieten.