Tipps für empfindliche Zähne

Auf den ersten Blick sehen die Zähne oft vollkommen gesund aus, doch sobald sie mit Heißem, Kaltem, Süßem oder Saurem in Berührung kommen, durchzuckt ein stechender Schmerz das Gebiss. Schon jeder vierte Österreicher leidet unter so genannten empfindlichen Zähnen. Auch wenn Beschwerden in den meisten Fällen kurz nach Kontakt mit dem Auslöser wieder nachlassen, sind sie doch deutliche Anzeichen für ein ernsteres Problem im Bereich des Zahnhalses. Teilen Sie deshalb schmerzliche Erfahrungen mit bestimmten Speisen und Getränken schnellstmöglich Ihrem Zahnarzt mit. Er kontrolliert, ob Füllungen ausgebrochen, undicht geworden, Kronen beschädigt oder Zähne beherdet sind oder ob es andere Ursachen für die Schmerzen gibt und Sie richtig behandeln.

Grundsätzlich stellt der Zahnhals den Übergangsbereich zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel dar. Im Zahnbein (Dentin) befinden sich viele kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Kanäle, die mit dem Zahninneren in Verbindung stehen und alle äußeren Reize, natürlich auch Schmerzempfindungen, an die Nervenenden weiterleiten. Bei gesunden Zähnen ist der äußerst sensible Zahnhals nicht sichtbar, weil er durch den Zahnschmelz und das Zahnfleisch (Gingiva) gut geschützt ist. Geht jedoch das Zahnfleisch zurück oder ist der Zahnschmelz nicht mehr in Takt, wird das für Kariesattacken und andere negative Einflüsse besonders anfällige Dentin freigelegt und damit auch die vielen feinen Nervenkanäle, die dann überempfindlich auf äußere Reize reagieren. Schmerz ist die Folge, sei es mechanisch durch Berührung mit der Zahnbürste, chemisch (die erwähnte saure oder süße Nahrung) oder eben durch Temperaturreize wie den heißen Tee und das Speiseeis ausgelöst. Die drei Haupt-Problembereiche von freiliegenden Zahnhälsen, die verwundbar sind wie ein Baumstamm, dem die Rinde fehlt, sind:

  • Überempfindlichkeit
  • Dentin-Karies
  • Abtragung von Dentin

Ein Grund für empfindliche Zähne ist der Verlust des schützenden Zahnschmelzes. Etwa wenn man falsch putzt, eine zu harte Zahnbürste oder scheuernde Pasten verwendet, aber auch der häufige Genuss von sehr säurehältigen Nahrungsmitteln nagt am Zahnschmelz. Bulimie-Kranke sind durch das häufig herbeigeführte Erbrechen der Nahrung (Magensäure) besonders gefährdet. Das freiliegende Zahnbein ist sehr anfällig für so genannte Wurzel-Kariesattacken. Denn Krankheitskeime und deren Abbauprodukte können leicht in die Dentinkanäle eindringen und die Zahnsubstanz schädigen. Dies macht sich durch kleine gelbliche Flecken auf der Oberfläche des Zahnhalses und der Wurzel bemerkbar. Dann dauert es nicht lange, bis sich Karies immer weiter in die Tiefe frisst, große dunkle Stellen entstehen oder sogar regelrechte Löcher. Dies bedarf dann schon besonderer Techniken, betroffene Zähne mit Füllungen zu reparieren.

Der zweite Grund ist die Rückbildung des Zahnfleisches. Zu den Ursachen für die Rückbildung von Zahnfleisch zählen ungeeignete Zahnputztechniken, natürliche Alterungsprozesse, vor allem aber chronische Entzündungen: Ausgelöst wird die Zahnfleischentzündung (Gingivitis) durch einen klebrigen Zahnbelag (Plaque), der an den Zahnfleischrändern und in den Zahnzwischenräumen haftet und sich mit der Zeit immer tiefer ins Zahnfleisch vorschiebt. Der Belag enthält eine Vielzahl von krankheitserregenden Bakterien, die den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker verarbeiten und schädigende Substanzen abgeben. Erste Anzeichen für eine Erkrankung sind ein gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten. Mit der Zeit greift die Entzündung auf den gesamten Zahnhalteapparat über (Parodontitis). Schließlich weicht das Zahnfleisch immer mehr zurück, der Zahnhals liegt frei und ist den verschiedenen Reizen (heiß, kalt, süß, sauer) schutzlos ausgesetzt. Zur Vorbeugung sollte Zahnbelag daher regelmäßig mit gründlicher Mundpflege entfernt werden. Zusätzlich empfiehlt sich eine professionelle Zahnreinigung alle 6 Monate. Gut für den Zustand des Zahnfleisches ist auch eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündung haben übrigens Raucher, Diabetiker, Schwangere und Frauen die die Antibabypille nehmen. Auch die genetische Disposition und die individuelle Abwehr des Patienten spielen hier eine Rolle.

Liegt das Zahnbein frei, ist die Gefahr weiterer Schädigung besonders groß. Denn Dentin ist weicher als der Schmelz. Wer nun mit scheuernden Pasten und ungeeigneter Putztechnik (falsch: horizontal putzen!) wild drauflos schrubbt oder zu häufig putzt, verursacht Kratzer und Rillen im Dentin bis hin zu keilförmigen Schäden. Säure aus Nahrung und Getränken führt weiter zum Verlust von Zahnsubstanz. Menschen, bei denen bereits die Zahnhälse freiliegen, geraten oft in einen Teufelskreis, wenn sie beim Putzen Schmerzen verspüren: Sie vernachlässigen dann nämlich häufig die Mundhygiene. Die Folge ist, dass Zahnablagerungen nicht oder nicht gründlich genug entfernt werden. Das erhöht einerseits das Risiko für Zahnhalskaries, andererseits begünstigen größere Plaquemengen wiederum Gingivitis. Wenn sich das Zahnfleisch zurückbildet oder sich freiliegende Zahnhälse zu verfärben beginnen, ist es allerhöchste Zeit, den Zahnarzt aufzusuchen. Am besten ist es natürlich, es durch regelmäßige Zahnarztbesuche und gute Mundhygiene erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Ist jedoch eine Behandlung notwendig, ist es ihr Ziel die Empfindlichkeit der Zahnhälse zu verringern. So kann man zum Beispiel die Dentinkanälchen mechanisch verschließen. Fluoridierungsmaßnahmen sind besonders wichtig, um das Risiko von Zahnhalskaries zu senken. In der Zahnarztpraxis werden zum Schutz der Zahnhälse Lacke, Beschichtungen, Versiegler und Gele mit hohen Fluoridkonzentrationen verwendet, größere Schäden mit Kunststoff-Füllungen abgedichtet. Anschließend ist der Patient gefordert, mit entsprechenden Maßnahmen zu Hause mitzuhelfen, den Schmerz zu vertreiben. Wichtig sind dabei auf empfindliche Zähne abgestimmte Produkte, die sanft reinigen und die Substanzen enthalten, die ebenfalls darauf abzielen, die Dentinkanälchen zu verschließen. Aminfluorid hat sich dabei als besonders wirksam erwiesen, die Überempfindlichkeit herabzusetzen, weil es in die Dentinkanälchen eindringt und sie abdichtet. Auch vor Dentinkaries wird ein Schutz aufgebaut.

Was Sie zusätzlich beachten sollten, wenn Ihre Zähne überempfindlich reagieren:

  • Verzichten Sie auf zu heiße, zu kalte, zu süße und zu saure Speisen und Getränke. Besonders belastend für die schützende Schmelzschicht sind in diesem Zusammenhang Orangensaft und Weißwein.
  • Will man trotzdem nicht auf derartige Genüsse verzichten, sollte man mit dem anschließenden Zähneputzen am besten zwei Stunden warte, damit sich der gebildete saure pH inzwischen durch den Speichel neutralisieren kann.
  • Unmittelbar nach dem Essen ist der Zahnschmelz durch den Säureanstieg nämlich „weich" und kann durch sofortiges Zähneputzen zerkratzt werden. Günstiger ist es daher, fürs Erste nur mit Wasser zu spülen und die Zahnzwischenräume mit Zahnseide zu säubern.